Während meiner Radtour nach Südtirol über die Via Clauida Augusta kam mir die Idee eine Wohnmobiltour nach Süd-Italien, Sizilien und wieder in den Norden zu machen. Da eine Schulfreundin meiner Frau bei Palermo lebt, war sie auch schnell begeistert für diese Idee. Problem allerdings erst einmal: Wir haben 2 1/2 Wochen Urlaub. Reicht uns das?

Wir beschließen es auf jeden Fall zu versuchen und ggf den einen oder anderen Tag eben auf der Straße zu verbringen. Außerdem werden wir nur bis Neapel fahren und von dort mit der Fähre nach Palermo übersetzen.

Nachdem das Wohnmobil mit den normalen Dingen schon gepackt ist, geht die Vorbereitung schnell. Anfang September starten wir am Donnerstagabend noch unsere Tour und fahren bis Tettnang zur Brauerei Schöre. Von dort wussten wir, dass man auf dem Parkplatz bei der Brauereigaststätte mit den Wohnmobil übernachten kann. Als wir ankommen ist die Hopfenernte in vollem Gange. Überall riecht es nach frisch geerntetem Hopfen, der direkt an der Brauerei eingelagert wird. Wir parken unser Wohnmobil und gehen erst einmal in den schönen Biergarten. Leider reicht es nur für 2 Getränke – danach will das Wetter uns die Tour vermiesen und es beginnt zu regnen. Die Brauereigaststätte ist aber ebenso schön und gemütlich wie die Biergarten. Nach ein paar Getränken und einem deftigen Essen freuen wir uns auf eine gemütliche erste Nacht im Wohnmobil.

Das Wetter hat sich auch am nächsten Tag nicht gebessert und so fahren wir im Regen zum Pfändertunnel und durch die Schweiz Richtung St. Bernardino. Wie es sich für einen Alpenpass / Tunnel gehört ist das Wetter hinter dem St. Bernardino Tunnel dann endlich besser. Die Sonner kommt raus und die Temperaturen steigen auf über 25 Grad. Zum Glück wird uns dieses Wetter nun 2 Wochen begleiten. Unsere heutige Etappe wird noch bis an den AgriCamp Lago Maggiore in Ranco gehen. Die Fahrt verläuft über die Schweiz und Noritalien an den Seen (Comer See) entlang. Nur das letzte kurze Stück müssen wir nochmal auf die Autobahn. Diese ist Mautpflichtig und die Maut muss man selbst innerhalb 15 Tagen bezahlen. Wird ja kein Problem sein…. denken wir hier noch…

Gegen Mittag kommen wir auf dem AgriCamp an und können uns noch einen schönen Platz aussuchen. Vom Campingplatz sind es nur 10 Minuten mit dem Rad nach Ranco und an den See. Wir beschließen am Nachmittag noch die Sonne und das Wasser zu genießen und finden eine tolle Bar direkt am Wasser. Gute Getränke gibt es hier sowieso. Da wir die leckeren Kleinigkeiten wie Käse, Oliven und Speck bereits entdeckt haben, wird das auch unser Abendessen. Die Nähe zum Stellplatz ist dafür ideal.

Am Abend entdecken wir auf dem Stellplatz noch eine kleine Bar. Die Betreiber schenken hier am Abend Cocktails und Getränke aus und es gibt auch Kleinigkeiten zu Essen. Hier lassen wir den Abend gemütlich ausklingen und fallen dann müde ins Bett. Das Thema Maut müssen wir dann doch noch am nächsten Tag angehen… 😉

Am dritten Tag geht es vom Lago Maggiore dann weiter bis Pisa. Die Strecke ist ansich kein Thema. Das meiste ist Autobahn und bis auf die Ecke rund um Mailand sind die Autobahnen auch relativ frei. So kommen wir auch zügig bis kurz vor Pisa und fahren unseren gebuchten Campingplatz St. Michael bei Livorno an. Der Platz liegt 10 Gehminuten vom Sandstrand entfernt. Natürlich wollen wir den Nachmittag nochmal für einen Abstecher zum Meer nutzen. Das erste Mal in diesem Urlaub das Mittelmeer. Allerdings ist der Strand dann für uns eher abschreckend. Liegestuhlreihen und doch noch sehr viel los für September machen den Strandabschnitt nicht sehr einladend. Wir beschließen dann doch lieber wieder ans Wohnmobil zurück zu gehen und uns dort gemütlich in die eigenen Stühle unter die Markiese zu setzen.

Da wir nicht mehr los wollen, geben wir der Pizzeria auf dem Platz eine Chance. Die Pizzen sind hier echt gut – auch wenn alles auf dem Platz schon etwas in die Jahre gekommen ist. Insgesamt ein schöner Campingplatz mit viel Schatten und einem eigenen Pool (der allerdings Eintritt kostet).

Am Abend nutzen wir das WLAN des Platzes um die offene Rechnung für die Maut zu begleichen. Allerdings ist die Webseite so schlecht erstellt, dass man sich entweder nie zurecht findet oder beim einloggen auf einmal alles andere angezeigt bekommt. Die Übersetzung aus dem italienischen ins deutsche ist so schlecht, dass wir kein Wort verstehen. In der heutigen Zeit mit Übersetzungsprogrammen doch eigentlich easy…. naja wir schieben das mal auf den nächsten Tag.

Nach dem Frühstück geht es von Pisa weiter in den Süden. Wir haben in Rom einen Stadt-Campingplatz gebucht und hoffen noch vor der Mittagspause da zu sein. Also auf die Autobahn und los geht es. Die gemütlichen 90km/h haben sich als optimale Reisegeschwindigkeit herausgestellt. Viel sparen können wir bei 120 oder 130 eh nicht. Der Verkehr ist aber unter der Woche so entspannt, dass wir gegen Mittag in Rom ankommen. Der Campingplatz liegt sehr verkehrsgünstig – was uns zuerst einmal erschreckt. Direkt an einer 4-spurigen Straße geht es in die Einfahrt zum Campingplatz. Allerdings liegt der Hu-Camp dann doch noch etwas nach hinten erstreckt und man hört den Verkehr absolut nicht.

Der Platz ist ein typischer Stadt-Camping, der hauptsächlich für City-Touristen gedacht ist. Neben Pool und Restaurant gibt es auch einen kleinen Laden, der allerdings sehr mager sortiert ist. Eher Getränke und ein paar Fertig-Riegel. Die Stellplätze sind auch relativ klein – unsere Nachbarn haben zwischen Wohnwagen und Hecke ganze 40cm Platz ….
Optimal aber die Anbindung: Direkt am Platz gibt es einen eigenen Shuttle sowie eine gute Anbindung an Bus und U-Bahn. Da das Shuttle gerade gefahren ist, entscheiden wir uns für die Öffis. Innerhalb von 45 Minuten sind wir in der Stadtmitte angekommen und stürzen uns in die erste Stadtbesichtigung unseres Urlaubs.

Das erste Mal in Rom kommt man natürlich bei den üblichen Ecken vorbei. Trevi Brunnen, Kolosseum und Pantheon standen auf unserer Liste. Auch außerhalb der Ferien und unter der Woche war in der Stadt sehr viel los, so dass wir Kolosseum und Pantheon nur von außen anschauen konnten. Die Schlangen davor (oder nötigen Onlinetickets) schrecken uns dann doch ab. So bummeln wir so durch die Stadt, die ja auch ohne Tickets sehr viel zu bieten hat.

Gegen Abend nehmen wir die U-Bahn und Bus zurück zum Campingplatz und testen das Platz-Restaurant. Sicherlich kein Highlight – aber durchaus gutes Essen. Die Atmosphäre es eher wie in einer Kantine, das hätten wir uns schöner gewünscht und werden es in den kommenden Tagen auch noch erleben.

Nach einer erholsamen Nacht geht es wieder auf die Straße – unser heutiges Ziel ist Neapel. Ab Rom verändert sich Italien dramatisch. Die Autobahn wird deutlich schlechter und hat mit den Straßen aus Norditalien nichts mehr zu tun. Durchschnittsgeschwindigkeit von 60-80 sind hier normal. Aber wir haben uns schon gut an die Dolce Vita gewöhnt und fahren entspannt in den Süden.

Den Platz in Neapel haben wir schon von Zuhause reserviert. Der Agricamp Stone, direkt am Fuße des Vesuvs, ist ein echtes Schmuckstück. Man fährt von der Autobahn ab und steht vor einem großen Metall-Tor und hohen Mauern. Erster Eindruck: “Oh je!”.
Allerdings wartet hinter dem Tor eine andere Welt auf uns. Das AgriCamp befindet sich in einer Gärtnerei und die Plätze sind mit viel Grün und sehr liebevoll angelegt. Wir werden herzlich empfangen und können uns einen Platz heraussuchen.

Da wir in Neapel 2 Nächte bleiben wollen, erkundigen wir uns an der kleinen Rezeption, was so geboten wird. Die Familien betreibt noch ein Bed and Breakfast in der Nähe und dort lässt sich ein regionales Abendessen buchen. Ich kann nur dazu raten dies zu tun! Absolute Spitzenklasse in einem sehr schönen Garten. Auch der Bio-Wein ist super lecker und wir haben einen super Abend am Fuß des Vulkans.

Ein Ausflug zum Vesuv muss natürlich auch sein, wenn man schon in Neapel ist. Wir können den Ausflug inkl. Tickets direkt an unserem AgriCamp buchen und werden vor dem Tor abgeholt und dort auch wieder abgesetzt. Mit dem Bus geht es dann direkt bis zum Eingang des Nationalparks. Anscheinend kann man auch mit dem Auto / Camper hoch fahren, aber ich würde mir das nicht geben. Die Straße ist wirklich schmal und die Parkplätze mehr als begrenzt. Da lohnt sich der Bus-Transfer absolut. Vom Eingang geht es dann noch 45min einen Fußweg nach oben zum Krater. Heute ist es etwas bewölkt, das macht den Aufstieg sehr viel angenehmer. Oben angekommen bietet sich eine tolle Aussicht auf Neapel, die Amalfiküste und natürlich dem Vulkan. Man kann ungefähr zur Hälfte um den Krater laufen und hat immer wieder einen guten Blick hinein. Teilweise steigt noch Dampf aus den Spalten auf.

Da unsere Fähre nach Palermo erst um 21:00 Uhr ablegen wird, können wir am Abreisetag unser Wohnmobil noch im AgriCamp stehen lassen. So bleibt uns die Parkplatzsuche und ewiges warten am Hafen erspart und wir nutzen den gewonnen Tag um Ercolano noch einen Besuch abzustatten. Wie Pompei wurde Ercolano bei einem großen Ausbruch des Vesuvs mit Lava überflutet und die ganze Stadt zerstört. Die Ausgrabungen sind aber schon sehr weit und man bekommt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben in dieser Stadt. Da Ercolano deutlich kleiner ist als Pompei ist hier auch viel weniger los. Man kann gemütlich in einem halben Tag alles erkunden. Was mir besonders gefallen hat, ist die Möglichkeit dass man mit dem Smartphone viele AR-Bilder erhält, wie die Stadt einmal ausgesehen hat. Die Tour wird mit dem Smartphone gemacht und an vielen Stellen lässt sich ein QR Code scannen und weitere Infos abrufen.

Gegen Nachmittag beschließen wir aber wieder zu unserem Wohnmobil zurück zu gehen und noch etwas zu entspannen. Wir versuchen in der Zeit mit der Maut-App nun unsere Schulden zu bezahlen (man erinnert sich… da war was). Die Maut wird uns nun endlich in der App angezeigt. Aber eine Zahlungsmethode lässt sich nicht hinterlegen. Bei jedem Versuch erhalten wir die Meldung, wir sollen es später nochmal versuchen.. naja werden wir dann machen.

Kurz vor der Abfahrt erwischt uns ein Gewitter der besonderen Art. Die Straße sind innerhalb von Sekunden überflutet und auf dem Weg zum Hafen läuft auf der Autobahn ein kleiner Fluss. Trotzdem kommen wir gut durch und erwischen einen Seiteneingang zum Fährhafen (manchmal ist es clever den LKW einfach hinterher zu fahren). CheckIn und Boarding gehen in Neapel wirklich gut von statten. Da hatten wir bei den Fähren auch schon deutlich chaotischere Zustände.

Über die Qualität der Fähren muss man nicht viel schreiben. Das eben keine Kreuzfahrtschiffe. Wir haben in unserem Sardinien-Urlaub dazu gelernt und verzichten auf das Essen an Bord. Ein paar Dinge selber mitbringen und wie die Einheimischen im Aufenthaltsraum essen. Nach ein paar gemütlichen Drinks legen wir uns auch schnell in die Kabine und freuen uns auf die Ankunft in Palermo.

Den Bericht von Sizilien und die Rückfahrt gibt es dann separat hier zu lesen…

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